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Das MÜLLPROPAGANDA-Manifest
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Zur Einstimmung in das Thema mag ich euch die Lyrics zu einem guten Song meiner Lieblings-Punkband
ANTI-FLAG zeigen:
(Rechts der Versuch einer Übersetzung, für die, die Probleme haben, das Original zu verstehen.)
The Consumer's Song
Don't trust them as far as you can throw them
'Cause as strong as you may be you won't be able to move them an inch
But you don't have to believe me go ahead and be the corporate stooge
that they trained you to be and...
THEN YOU'LL SEE WHAT YOU GET FOR YOUR LOYALTY!
They call it "down sizing" but that's just a backhanded saying
For the phrase:
"We're gonna screw you, till you're down on your knees...
And you better not try to complain 'cause there's another
Hundred stiffs like you, all who'd plead...I'D KISS YOUR ASS JUST FOR A CHANCE
TO BE A WHORE TO YOUR COMPANY!!!"
You see it every day, everywhere, on the t.v. screen
Each time a different face or family, but it's always the same
"We worked here all our lives, gave them everything we had and now
they say they're gonna move the factory, to a third world country where
the labor is cheap."
But the fact my friend that you don't see
Is the money you spend on the goods they make
Supports their methods of abuse on the third world scene
And in your very own backyard, yes your country
So I won't be the consumer that they want me to be
Because the goods I own, aren't going to set me free
So I won't buy that crap, they want to sell me
Because the goods I own, won't set anyone free
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Der Konsumenten-Song
Traue ihnen nicht, so weit wie du sie werfen kannst,
Denn so stark du auch sein magst, du wirst sie keinen cm bewegen können,
Aber du musst mir nicht glauben; sei ruhig weiter der Firmen-Trottel für alles,
zu dem sie dich trainiert haben und ...
DANN WIRST DU SEHEN, WAS DU FÜR DEINE TREUE BEKOMMST!
Sie nennen es "gesundschrumpfen", aber das ist nur durch die Blume gesagt
statt dem Satz:
Wir werden dich fertigmachen, bis du unten auf deinen Knien bist...
Und du solltest lieber nicht versuchen, dich zu beklagen, denn es gibt noch
Hunderte Typen wie dich, die alle flehen...ICH WÜRDE IHREN ARSCH KÜSSEN, NUR FÜR EINE CHANCE,
EINE HURE IM DIENSTE IHRER FIRMA ZU SEIN!!!"
Du siehst es jeden Tag, überall, im Fernsehn,
jedesmal ein anderes Gesicht oder eine andere Familie, aber es ist immer das selbe.
"Wir arbeiteten hier unser ganzes Leben, gaben ihnen alles, was wir hatten und jetzt
sagen sie, sie werden die Fabrik in einem Dritte-Welt-Land betreiben, wo
die Arbeit billig ist."
Aber die Tatsache, mein Freund, die du nicht siehst,
ist dass das Geld, das du für die Waren ausgibst, die die herstellen,
deren Methoden des Ausnutzens der Dritten-Welt-Szene unterstützt.
Und vor deiner eigenen Tür, ja, dein eigenes Land.
Deshalb werde ich nicht der Konsument sein, als den sie mich gerne sehen würden,
denn die Dinge, die ich besitze, werden mich nicht befreien
deshalb werde ich nicht den Mist kaufen, den sie mir andrehen wollen,
denn die Dinge, die ich besitze, werden niemanden befreien.
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Das MÜLLPROAGANDA - Manifest
Erstens: Müll ist kein Abfall.
Das Wort Abfall impliziert, dass etwas von dem Eigentlichen abfällt, zurückbleibt, als jämmerlicher,
ungeliebter, ja lästiger Rest. So heißt es beispielsweise im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz "Abfälle ... sind alle beweglichen
Sachen, ... deren sich ihr Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss." Ein noch weiter in diese Richtung
tendierender Begriff aus der Abfallszene ist die "Entsorgung". Abfall, Entledigen, Entsorgen. All diese Bezeichnungen rund um den
Müll zeigen, wie weit sich die Menschen in Deutschland von ihrem Müll entfernt haben. Sie wollen das, was von ihrem alltäglichen Leben
"abgefallen" ist, und was ja auch ein Stück weit ein Spiegel ihrer selbst ist, so schnell wie möglich los werden. Die Männer
in den orangenen Anzügen sollen ihnen diese Sorge nehmen. Müll ist aber, wie im folgenden gezeigt werden soll, nichts, was lediglich
abfällt oder wovor man sich gar ekeln müsste, sondern eine Ressource mit vielen Möglichkeiten.
Zweitens: Das Müllzeitalter.
Müll gibt es schon so lange es Menschen gibt. Zum Thema wurde er aber erst in den 70ern des letzten Jahrhunderts, als die privaten
Haushalte und auch die Industrie immer größere Mengen an Müll herstellten [herstellen!, nicht anfallen oder gar abfallen] und man
zeitweise gar fürchtete, im eigenen Müll ersticken zu müssen. Dies fürchtet heute keiner mehr, da die Müllverabeitungstechnik
weit vorran geschritten ist, was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass weiterhin rießige Mengen Müll produziert und
Gegenstände des täglichen Lebens wesentlich schneller als früher dem Müll zugeordnet werden. Man sagt nicht zu unrecht, dass wir
in einer "Wegwerf-Gesellschaft" leben.
Drittens: Von der Bedeutung des Mülls.
Müll ist nicht nur mengenmäßig und wirtschaftlich (unzählige Gelder fließen in die "Entsorgung" und viele Menschen
sind in diesem Bereich beschäftigt) von Bedeutung. Müll ist ein
Charakteristikum unserer Konsumgesellschaft und begleitet uns täglich. Wenn man sich nicht sofort von ihm "entledigt", kann er aber
noch wesentlich mehr sein:
Viertens: Von der psychologischen Bedeutung des Mülls.
Müll konfrontiert uns mit uns selbst, er gibt uns die Möglichkeit, das, was wir getan haben, noch einmal zu reflektieren und
erinnert uns an unsere Vergänglichkeit. Da dieser Gedanke
vielen fremd seien wird, möchte ich ihn an meiner eigenen Müll-Praxis erläutern: In meinem Zimmer sammle ich den Müll ungetrennt in
einem Behältnis. Wenn dieses alle paar Wochen voll ist, gehe ich damit für einige ruhige Minuten in die Küche, setze mich vor Bioeimer,
Restmülleimer, Papiersack und Gelbersack, nehme die Gegenstände aus meinem Müllbehälter uns sortiere sie nach der uns allen vertrauten
Manier ein. Da kommt so manches zum Vorschein! "Oh, in den letzten Wochen habe ich aber viel Schokolade gemampft. Eine Kinokarte - ach der
komische Film. Zerknüllte Zettel von frustrierenden Matheaufgaben. Tja, das ist jetzt schon erledigt. Haare aus der Bürste und hier
noch welche - habe ich mehr verloren als sonst? ..." Eine Gelegenheit die Gedanken aufzuräumen. Und auch ein Blick in die Biotonne
kann uns einiges lehren.
Fünftens: Müll lebt.
Vieles, was andere schon dem Müll zugeschrieben haben, kann man noch weiter verwenden. So manches kann man umbauen und so zu
neuem Leben erwecken. Schaut euch nur mal unter Rumpelart um (z.B. das Kettenhemd oder die Schuhe aus Fahrradmantel), dann seht ihr,
was ich meine. Aus alten Brettern können neue Regale werden, Bücher, die mir nicht mehr gefallen, könnten anderen noch Freude bereiten,
aus den Farbresten, die ein Nachbar aus dem Keller haben will, kann ich noch ein paar Bilder malen. Und ob ihr es glaubt oder nicht,
diese Dinge aus dem Müll sind viel wertvoller als das, was man sich statt dessen neu kaufen würde. Das liegt daran, dass der
Gegenstand nicht einfach nur Gegenstand ist, sondern etwas ganz besonderes, individuelles, mit einer eigenen Lebensgeschichte. Zu solchen
Sachen, die man selbst vom Müll geholt hat, deren Vorbesitzer möglicherweise kennt oder durch die Übergabe kennengelernt hat, oder die
man sogar selbst umgestaltet hat, hat man eine ganz andere, persönlichere Beziehung als zu einem Ikea-Regal.
Sechstens: Müll macht frei.
Und es gibt noch mehr Gründe, alte Dinge nicht zum Müll zu werfen, sondern weiter oder anders zu benutzen: Man kann seine Abhängigkeit
von Konsumketten, scheißfreundlichen VerkäuferInnen und letztlich auch vom Geld reduzieren, wenn man sich mit den alten, doch viel
schöneren Sachen begnügt. Nach der Lehre der Kyniker (und nicht nur nach dieser) ist
Unabhängigkeit von Materiellem eine wichtige Vorraussetzung zum persönlichen Glück.
Siebtens: Von einer anderen Welt.
Warum ich keine Konsumketten mag? Nun schließt sich der Kreis und wir kommen zum "Konsumenten-Song" zurück. Kapitalismus nimmt keine
Rücksicht auf Menschen, er beurteilt uns nur nach unserem Marktwert. Wie viele Menschen sind schon an dieser Wirtschaftsordnung
gestorben (z.B. 9,7 Millionen in der ehem. Sowjetunion als direkte Folge der Einführung der "freien Marktwirtschaft"), wie viele zu
Alkoholikern geworden, wie viele verzweifelt?
Wenn man mit Müll so umgeht wie oben beschrieben, befreit man sich selbst und kann gleichzeitig dazu beitragen, den Kapitalismus in
die Krise zu treiben. Wir brauchen ihn nicht. Wir basteln uns unsere Regale selbst. Möge er zugrunde gehen und Platz für eine gerechtere
Gesellschaft schaffen.
Nieder mit dem Kapitalismus! Boykottiert den Konsum!
Lebt vom Müll! Es lebe der Müll!
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